October 7, 2026

AI saved my life and ruined parts of it

Wer führt die Menschen da durch?

Nicht das Werkzeug entscheidet über den Erfolg. Sondern wie wir die Menschen durch den Wandel führen.

(Teil 5 von 5)
Vier Teile lang ging es um mich. Diesmal beziehe ich alle anderen ein.

Ich habe aufgehört, meine KI-Agenda danach auszurichten, welche Werkzeuge ich einsetzen will. Es lohnt sich, im eigenen Team und im Umfeld nach Erfahrungen, Ideen und Meinungen zu fragen. Am ehesten hält, was alle mitgestalten durften. Dafür schreibe ich.

Seit ein paar Jahren kenne ich HELMUT von MoovIT, eine Lösung für die Verwaltung von Schnittprojekten, die sich zwischen die vorhandenen Systeme setzt und Abläufe verbindet. Für mich ist es ein Automations-Dirigent. Automation lohnt sich dort, wo dieselben Handgriffe hundertmal am Tag anfallen. Kein Wunder, dass HELMUT in Sportberichterstattung und Serienproduktion Anklang fand.

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So sieht das in der Praxis aus: Jemand kopiert eine Speicherkarte vom Dreh in einen Ordner. Das System greift die Daten ab, importiert sie ins Schnittsystem, beschriftet sie und legt sie an den verabredeten Platz. Die Cutter übernehmen. Ist der Schnitt fertig, greift das System erneut zu, exportiert, lädt hoch und schickt dem Producer eine Nachricht mit Link zur Abnahme. Zwei Handgriffe, wo vorher zwanzig waren.

Wenn ich solche Automationsdienste kaufe, bleibe ich bei Fehlermeldungen auf fremde Hilfe angewiesen. Wenn ich die Systeme selbst Stück für Stück in Betrieb nehme, verstehe ich die Zusammenhänge. Beides ist legitim, ich wollte das Zweite. Ende 2025 wurde mir klar, dass Automation sich in der Welt des Videoschnitts durchsetzen wird, unabhängig von KI. Neue Budgetanforderungen lassen keine andere Wahl.

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Wie selbstverständlich die HELMUT-Entwickler ihre Tools präsentieren, hat mich ermutigt, selbst anzufangen. Mich persönlich hat n8n als Open-Source-Werkzeug überzeugt. Ich zahle weiterhin für jede Anfrage an die KI-Modelle, meist Kleinstbeträge, und bin damit nicht unabhängig. Das Know-how zur Inbetriebnahme und Verwaltung eines solchen Systems liegt aber klar bei mir. Durch die modularen Verbindungsmöglichkeiten ist n8n sehr flexibel und so sicher, wie ich es konfiguriere.

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Eins der größten Risiken der KI-Nutzung liegt in uns selbst. Acht Monate lang haben zwei Forscherinnen aus der Berkeley Haas School of Business ein US-Technologieunternehmen mit rund 200 Beschäftigten begleitet. Präsenztage im Büro und über 40 Interviews in den Abteilungen Engineering, Product, Design, Research und Operations. Das Unternehmen stellte Lizenzen, schrieb aber die Nutzung nicht vor.

Ihr Zwischenergebnis, veröffentlicht in der Harvard Business Review, denn die Untersuchung läuft noch: Die Beschäftigten arbeiteten schneller und übernahmen mehr Aufgaben, teils bis in den Abend hinein, ohne dass jemand das eingefordert hätte. Zunehmend verschwamm die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Weil mehr Prozesse gleichzeitig abliefen, entstand eine kognitive Last, die auf keiner Rechnung auftauchte.

Die Selbstregulation kann nicht den Mitarbeitenden überlassen werden. Was die Forscherinnen sinngemäß empfehlen, nennen sie eine AI practice:
  1. Normen und Standards für den KI-Einsatz, statt jeden selbst entscheiden zu lassen
  2. Bewusste Denkpausen, in denen man vor der nächsten Entscheidung prüft, ob die Richtung noch stimmt
  3. Getaktete Arbeit: Benachrichtigungen bündeln, Updates bis zu natürlichen Zäsuren zurückhalten, Fokusfenster schützen
  4. Geschützte Zeit für den Austausch unter Menschen (Ranganathan/Ye, HBR, 2026)

Ich ergänze das um zwei Empfehlungen aus meiner Rolle als Resilienz-Trainer: echte Erholungspausen und alle zwei Stunden Bewegung. Den Rahmen dafür muss die Führung setzen, sonst macht es niemand.

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Wer führt Menschen durch all diese Herausforderungen?

Auf der Rückfahrt von der IBC 2025, der Broadcast-Messe in Amsterdam, war ich unzufrieden, dass ich keine greifbare Automationslösung im Gepäck hatte. Ein paar Tage trug ich das mit mir herum, bevor mir klar wurde: Es blieb nur Do-It-Yourself. Weil ich den Aspekt der Selbstermächtigung so wichtig finde, habe ich mein Team eingeladen, verschiedene Automationslösungen auszuprobieren und auch Open-Source-Varianten zu prüfen.

Meine Kollegen von 2007 konnten eine Digibeta-Maschine in Einzelteile zerlegen und wieder zusammensetzen. Man könnte behaupten: Die Bedienung eines Computers hätten sie lernen können. An einer Maschine kannst du jedes Teil anfassen. Am Computer musst du dir alles vorstellen, und wenn etwas nicht klappt, ist da nichts zum Anfassen oder Festschrauben. Wer da ausweicht, ist nicht bequem, sondern braucht Hilfe und weiß manchmal nicht, wie er danach fragen soll. Zum Lernen angeregt hat man sie halbherzig. Für eine Aufgabe dieser Größe hätte jemand danebensitzen müssen, jeden Tag. Genau das war es, was in 2007 gefehlt hat.

Stattdessen kamen Menschen wie ich, Berufseinsteiger, noch nicht so gut ausgebildet und lange nicht so erfahren. Wir kannten Computer besser als Digibetas. Erfahrung und Routine haben in dem Moment nicht gezählt, nur die eine neue Fähigkeit.

So landeten immer öfter Aufgaben bei mir. Meine Karriere fußt darauf, dass ich zufällig in der Berufsschule HD-Schnitt am Computer lernte. Heute lernen Auszubildende in der Berufsschule KI und freuen sich über Chancen, sie einzusetzen.

Begonnen hat mein Team begeistert mit dem Automatisieren der unpopulären Aufgaben. Motivieren musste ich nicht. Alles, was wir brauchten: eine Richtung, die Erlaubnis und ein geschützter Raum, unser Sandkasten. Unsereersten Automationen klickten beim Steuern der Software auf Bildschirmkoordinaten. Pixel X=812 und Y=430. Der Schalter im Fenster bewegtsich nicht, aber die Position des Fensters auf dem Bildschirm schon: mitAuflösung, mit Skalierung und der Fenstergröße. An manchen Rechnern klickte die Automation deshalb schlicht daneben. Also suchte ich den Kontakt zu den Entwicklern unserer Schnitt-Software. Nach Prüfung, Freigabe und Unterschrift der nötigen Verträge nutzen wir die offizielle Schnittstelle des Programms. Somit können wir Automationen systemübergreifend und stabiler bauen.

Meine Aufgabe war diesmal nicht die Automation selbst, sondern das Aufhalten der Tür.

Veränderungsbereitschaft ist nicht gleich verteilt und die größte Hürde ist auch nicht immer die Technik. Manche trauen sich nicht in Räume mit Fremden, wie bei Weiterbildungen und Trainings üblich. Da hilft kein Weiterbildungsbudget der Welt. Das ist keine Schwäche. Das ist eine Bedingung, die ich einplanen kann. Ich kann niemanden zum Lernen zwingen. Ich kann nur dafür sorgen, dass der erste Schritt klein genug ist.

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Muss denn überhaupt jeder auf den Zug aufspringen?

Nüchtern zusammengefasst im Bericht der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages: Nach OECD-Schätzung von 2023 ließen sich theoretisch bis zu 58 % einzelner Arbeitsaufgaben automatisieren. Berufe werden durch KI bislang eher verändert, als dass sie komplett abgeschafft werden. Einzelne Aufgaben werden automatisiert und nicht jeder muss KI bedienen.

Mein Auto fahre ich auch, obwohl ich es nicht reparieren kann. In technologienahen Rollen nimmt die Beschäftigung zu. Was sich verschiebt, sind die Fähigkeiten, die gebraucht werden. Arbeitgeber suchen zunehmend die Kombination aus KI-Kompetenz und menschlicher Kompetenz. (Wissenschaftliche Dienste des Bundestages, 2025) Darum trainiere ich meine digitalen und meine menschlichen Kompetenzen.

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Haben wir denn alle die gleichen Chancen beim Zugang zu KI?

Wo es Nutzungslimits und Bezahlschranken gibt, ist klar, wer im Vorteil ist. Wer kein Geld für Abos übrig hat oder wenig technisches Verständnis mitbringt, fühlt sich vielleicht abgehängt. Wie ist das in Betrieben? 37 % der Unternehmen in Deutschland setzen KI ein, knapp 60 % nutzen keine, auch keine kostenlosen Chatbots. Die Zahlen stammen aus einer Erhebung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, also von einer Seite mit eigenem Interesse an hohen Zahlen. (Engels/Scheufen/Schmitz 2025, zitiert nach Wissenschaftliche Dienste des Bundestages, 2025) Ich glaube nicht, dass die knapp 60 % nicht wollen. Sie wissen nur nicht, wo sie anfangen sollen.

Ein Gartner-Report auf Basis von über 12.000 Befragten prognostiziert: Ab 2027 könnte jede zweite Organisation ohne menschenzentrierte KI-Strategie ihre besten KI-Fachkräfte verlieren. Menschenzentriert, nicht werkzeugzentriert. Eine Prognose von jemandem, der Beratung dazu verkauft, aber sie deckt sich mit dem, was ich sehe. (Moody, HR Dive, 15. Mai 2026)

Eine begutachtete Studie über 90 Organisationen fand: Change-Management-Praktiken wirken messbar darauf, ob ein Vorhaben seine Ziele und Termine erreicht. Auf Umsatz, Finanzergebnis oder Produktivität wirkten sie nicht nachweisbar. Das ist die unbequeme Version meines Satzes von oben: Der Nutzen ist da. Er taucht nur auf keiner Rechnung auf. (Raineri, Journal of Business Research, 2011)

In meiner Abteilung lag die Hürde nie beim Modell, den Daten oder den Tools. Sie lag bei der Frage, wer sich was zutraut und wer wen mitzieht. Nicht das Werkzeug entscheidet, das schrieb ich am Anfang. Inzwischen würde ich schärfer formulieren: Der Zugang zum Werkzeug entscheidet auch nicht. Es geht um Menschen. Für mich heißt das: aktiv zuhören und eine Richtung vorschlagen.

Ein erster Schritt in den Wandel hängt also weniger von der Wahl der Technologie ab als von der Frage, wie wir miteinander durch die Veränderung gehen: ob unsere digitalen Abläufe zusammenpassen, ob unsere Teams geschult sind und ob das Ganze im Alltag ankommt.

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Bei mir ist es so: Automation verschafft mir die freie Zeit, ohne die Veränderungen gar nicht in Bewegung kommt. So viel zur Frage, wie wir durch die Veränderung gehen. Bleibt die Frage, in welche Richtung.

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Souveränität wird einer der wichtigsten Werte in einer Zukunft mit KI sein. Die meisten von uns sind Kunden bei den weltweit größten Anbietern. Diese Firmen entscheiden, welche Werkzeuge es gibt und wer sie bekommt. Sie geben die Richtung vor, in die sich unsere Kultur verändert (siehe Postman in Teil 1). Geopolitische Spannungen waren als Folge bereits zu beobachten.

Anthropic hat im Juni 2026 den Zugang zu seinen neuesten Modellen Claude Fable 5 und Mythos 5 für rund drei Wochen weltweit komplett abgeschaltet, nachdem eine US-Exportkontroll-Direktive den Zugriff für ausländische Staatsangehörige untersagt hatte. Erst Ende Juni hob die Behörde die Beschränkungen wieder auf. (Anthropic, 2026)

Je weniger Modellanbieter es gibt, desto mehr hängt daran, was diese wenigen für richtig halten. Es ist wichtig für uns alle, dass Bildung, Medizin und Forschung eigenständige Lösungen nutzen können.

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Zurück zur kleinen Bühne, meiner. Die zweite Hälfte der Frage aus Teil 1 ist offen. Bin ich das Produkt, ein Konsument, während ich glaube, Schöpfer zu sein? Teil 4 hat die Frage über die Daten beantwortet. Hier geht es um etwas anderes: um meine Zeit. Und die habe ich nächtelang verschenkt.

Als mich meine Agenten nächtelang in Schach hielten, kam ich mir mehr als Produkt vor, als mir lieb war. Was den Unterschied machte, war nicht Mäßigung, sondern das Gegenteil. Ich habe die Werkzeuge benutzt, bis sie zerbrachen. Der n8n-Server ist unter zu viel Last in die Knie gegangen, die Google-API wurde wegen zu häufiger Anfragen gesperrt und immer wieder „Nutzungslimit erreicht, Sie verbrauchen jetzt Credits“.

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Genau an diesen Stellen begann, was ich heute für den wertvollsten Teil halte: Wer ein Werkzeug an seine Grenze fährt, findet heraus, wo es noch hakt. Pixel X=812 und Y=430 war so ein Moment. Erst dann kann man den passenden Weg bahnen.

So sind alle Werkzeuge besser geworden, die wir haben. Weil jemand sie überlastet hat und danach beschreiben konnte, was noch fehlt. Das ist kein Ausgeliefertsein. Das ist Handwerk. Ich habe diese Erkenntnis nachts bezahlt, mit Schlaf. Sie war es wert. Der Preis war es nicht.

KI hat Teile meines Lebens ruiniert, und sie hat mir Arbeit abgenommen, für die ich sonst hätte bezahlen müssen. Die Website, das Lektorat, die Automationen. Mein n8n-System gäbe es ohne sie überhaupt nicht.

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Unsere größte Hilfe und stabilste Konstante wird unsere Verbindung zueinander sein. Ich habe auf Veranstaltungen, bei Vorträgen und Workshops viele begeisterungsfähige Menschen getroffen und mich stets angeregt ausgetauscht. Hoffnungsvoll stimmt mich, dass niemand zu spät kommt. Es wird eine lange gemeinsame Reise, die gerade erst begonnen hat. Damit begrüße ich jeden, der mich auf dieser Reise begleiten will.

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Ich verpflichte mich dazu, meine Pausen einzuhalten, meinen Ausgleich zu nehmen, denn ich habe für mich erkannt, wo ich gebraucht werde.

Auf dass ihr es lieber gleich besser macht als ich: Redet miteinander und tüftelt eure Lösungen gemeinsam bei Tageslicht aus!