
Wer ein Instrument spielt, stimmt es vor dem Konzert. Vielleicht lohnt es sich auch für uns, vor wichtigen Vorhaben nicht nur auf das Ziel zu schauen, sondern auf den Zustand, aus dem wir handeln. Eine Frage reicht als Anfang: In welchem Zustand bin ich gerade? Nicht um ihn zu ändern. Erst mal nur, um ihn zu erkennen.
Wenn wir gestresst sind, wird unser Blick oft enger. Wir reagieren schneller, urteilen schärfer und verlieren genau das, was wir eigentlich bräuchten: Gelassenheit, Klarheit und Zugang zu unserem Können.
Für mich ist der gute Zustand deshalb kein Luxus. Er ist die innere Verfassung, aus der Handlungsfähigkeit überhaupt erst wieder möglich wird.
Ich habe wiederholt festgestellt: Meine Meditationspraxis macht mich nicht zu einem stets gelassenen Menschen. Sie hilft mir spürbar dabei, mich selbst besser zu regulieren.
1.458 Beschäftigte, per Zufall auf zwei Gruppen verteilt. Die einen übten acht Wochen lang täglich zehn Minuten mit einer Meditations-App, die anderen standen auf einer Warteliste. Der wahrgenommene Stress sank in der Übungsgruppe deutlich, und noch zwei Monate nach dem Ende des Programms war der Abstand messbar. (Radin et al., 2025) Zehn Minuten sind kein hoher Preis dafür.
Wobei der Zustand nicht allein von mir abhängt. Wer alle 30 Minuten von einem Meeting in das nächste geht und in den Pausen dazwischen die verpassten Anrufe zurückruft, kann sich schwer beruhigen. Die Übung hilft trotzdem, sie ersetzt aber keine Arbeitsbedingungen.
Genau deshalb interessieren mich Atempausen, Achtsamkeit und kleine wiederholbare Übungen so sehr. Nicht als Selbstoptimierung, sondern als Praxis, die helfen kann, schneller aus Anspannung in Gelassenheit zurückzufinden.