
Als ich in meinen Beruf gestartet bin, hatte ich eine sehr romantisierte Vorstellung davon, wie Arbeit in der Medienbranche abläuft. Musik war mein Leben und mein Traum: kreative Arbeit in der Audio-Postproduktion. Der Künstler in mir fand gar keinen Gefallen an den Lebensrealitäten hinter den Kulissen, und mir wurde klar: So kann ich nicht arbeiten. Eine bittere Enttäuschung, die ich im Alter von 25 Jahren nicht leicht verkraftet habe.
Und doch fand ich einen Kompromiss, eine zweitbeste Lösung. Nachts kreativ Musik produzieren und auflegen, bei Tageslicht die Systeme verstehen lernen, die meine Miete zahlten.
Nachdem ich die Systeme der Maschinen durchschaut hatte, vertraute man mir die Systeme der Menschen an. Ich verstand das als Beweis meines Geschicks. Weit gefehlt. Menschen reagieren komplexer als Maschinen, und mit den meisten gut auszukommen half mir wenig, wenn es darum ging, sie für etwas zu gewinnen, das keinen Spaß macht. Ich machte Bekanntschaft mit Motivation, Affekten und Haltung.
Ein Muster ist mir immer wieder begegnet: Mitarbeitende wollen neue Aufgaben, weil neue Aufgaben eine Gehaltserhöhung begründen. Die Verantwortung, die daran hängt, meinen sie nicht. Das ist keine Charakterschwäche, sondern eine Frage der Struktur. Wo es klare Stufen vom Junior zum Senior gibt, weiß jeder, woran er ist. Wo es sie nicht gibt, kommt einfach der nächste Nachwuchs, den man einarbeitet, obwohl man selbst noch neu ist. Verantwortung ohne Namen, ohne Titel, ohne Aufschlag.
In dem Zusammenhang habe ich ein Seminar empfohlen, „Führen ohne Vorgesetztenfunktion“, und angenommen, das Angebot sei ein Geschenk. Es wurde nicht immer so empfunden. An einer Maschine drücke ich Play und es geht los. Im Zweifel kommt eine Fehlermeldung. Der Mensch braucht Überzeugungsarbeit und ist manchmal nicht offen mit seiner Abneigung, besonders bei einem Machtgefälle. Das zu bemerken ist nicht die Aufgabe der Mitarbeitenden. Es war meine, und ich habe sie anfangs nicht beherrscht.
„Nothing essential happens in the absence of noise.“ (Attali, 1985, S. 3)
Der ganze Lärm war für mich nicht selten unangenehm. Mit der Führungsverantwortung kam kein Training. Vorbereitet hat mich auf diese Rolle niemand. 15 Jahre Führung und 8 Jahre Ausbildertätigkeit boten viele Chancen zur Selbstreflexion und zum Lernen. Viele Lektionen, die ich schmerzlich lernte, hätte ich lieber in einem Seminar mitgenommen.
Wer heute in die erste Verantwortung rutscht, bekommt meistens dasselbe wie ich: die Aufgabe und sonst nichts. Genau dafür gibt es meine Kurse zu Entspannung, Selbstführung und Resilienz.